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Kategorie: Allgemein

Ich war auf dem Flohmarkt.

Eigentlich sollte es nur ein bisschen Bummelei werden. Meine Vorstellung von Flohmärkten beschränkt sich zum einen auf wirklich mieses, olles Zeug, das absolut keiner mehr haben will oder gebrauchen kann und das von teilweise sehr verschrobenen Leuten doch noch für völlig irre Preise unters Volk gebracht werden soll und zum anderen auf dubiose Stände mit „original“ Neuware aus dem kosmetischen Bereich, wie beispielsweise Shampoo, Duschgel und Cremes oder diverse Artikel aus dem Haushaltsbedarf wie Leuchtmittel und quietschbunte Messersets und natürlich unzählige Stände an denen man Handy-Hüllen kaufen kann. Alles spotbillig, einwandfrei, qualitativ sehr hochwertig und garantiert nicht vom LKW gefallen. Genau.

Aber es gibt sie tatsächlich noch, die wirklich coolen Flohmärkte. Wo man echte Antiquitäten, seltene Sammlerstücke, Schallplatten und Bücher und natürlich die guten alten Nintendo-Spiele abgreifen kann. Irgendwann musste ich vom Stand mit den Schallplatten weggezerrt werden und auch beim Stand mit alten Game Boy Spielen hätte ich gerne noch mehr Geld gelassen. Aber ich will ja nicht ab dem 15. des Monats nur noch Ravioli kalt aus der Dose und direkt über der Spüle essen. Dennoch ein wirklich toller Tag mit einer sehr erfreulichen Ausbeute. Aber öfter als einmal im Quartal darf man mich da nicht hinlassen, sonst muss ich bald einen Container anmieten, oder in eine größere Wohnung ziehen.

Ich war in Hamburg.

Leider nur beruflich und deswegen mit wenig Zeit und Muse, mir dort das eine oder andere anzusehen. Ich kam spät am Abend im Dunkeln an, fand das hoteleigene Parkhaus im Wirrwarr von Einbahnstrassen nicht, parkte deshalb ein paar Straßen weiter im Parkhaus eines anderen Hotels und hatte über die gesamten drei Tage Angst und Sorge, dass ich mein Auto dort nicht mehr herausbekomme, weil ich in dem Hotel gar kein Gast bin und ich deswegen vermutlich bei Abreise am Parkscheinautomat abgefangen und in U-Haft genommen werde. Ich musste meine schwere Reisetasche auf dem Rücken durchs nächtliche Sankt Pauli schleppen, hatte wie so oft das letzte Zimmer am Ende des Ganges (Ich meine den Flur, nicht den Fluss in Indien) und war nach meinem langen Arbeitstag so müde, dass ich meinen ursprünglichen Plan, einen abendlichen Spaziergang zu den Landungsbrücken mit anschließendem Feierabendbier, cancelte und stattdessen auf dem Hotelbett liegend eine Mettwurst aß. Ich hatte kurz den Drang, ein Kissen zu klauen, wurde dann aber von meinem Gewissen wieder zurechtgewiesen. Zur Belohnung gab’s am letzten Tag einen wundervollen Sonnenaufgang.

Null Grad.

Heute fast zweieinhalb Stunden bei Temperaturen um den Gefrierpunkt (wie die Meteorologen es immer so schön ausdrücken) auf den Feldern spazieren gewesen und dabei eine Strecke von etwas mehr als zehn Kilometern zurückgelegt. Im Ohr: Die Goldberg Variationen von Bach, gespielt von Lang Lang, das Album Parley von Amistat und Found Songs von Ólafur Arnalds.

November

Es gibt wenig Dinge, die mir so gut tun und die mir so sehr helfen, runterzukommen, zu entspannen und neue Energie zu tanken, wie ein einsamer Spaziergang über die verregneten, grauen, diesigen Felder. Das klingt übrigens dramatischer und melancholischer, als es tatsächlich ist.

Wenn ich losgehe, hab ich meistens noch einen schnellen und hektischen Gang drauf und den Kopf noch voll mit Gedanken und Zeugs. Aber je länger ich laufe und je mehr ich meine Umwelt und die Umgebung auf mich wirken lasse, die kalte Luft um die Ohren und den nassen Regen und den Wind im Gesicht spüre, und je weniger anderen Menschen ich auf meinem Weg begegne, desto langsamer wird mein Gang, desto ruhiger mein Herzschlag und desto mehr versinke ich in mir selbst.

Musik spielt dabei, wie so oft in meinem Leben, eine ganz besondere Rolle. Ich brauche auf jeden Fall passende Musik, um wirklich das Kopfkino starten zu können. Dann lasse ich meinen Blick schweifen und lasse die Musik in meinen Geist strömen. Zwischendurch schaue ich vielleicht auch einfach mal ganz stumpf direkt vor mir auf den Boden, auf dem ich gerade gehe. Und mein Gang wird immer ruhiger und langsamer, bis es irgendwann nur noch ein Trotten ist. Ein sich voran schleppen. Ein langsamer, schwerfälliger Gang, der für Außenstehende vermutlich den Eindruck erweckt, als hätte ich keine Lust und keine Kraft mehr und als würde ich jedem Moment einfach vorne über mit dem Gesicht in den matschigen Boden fallen. Aber innerlich bin ich absolut tiefenentspannt, fast schon meditativ. Die Musik durchdringt mich, mein Kopf wird immer leerer und ich fühle mich einfach maximal entspannt. Das hat alles rein gar nichts zu tun mit Einsamkeit, Traurigkeit oder Depression, die in mir schlummert. In keinster Weise. Es ist einfach das entspannende Gefühl, in der Natur zu sein, mit mir selbst, ohne andere Menschen, ganz allein. Daraus kann ich persönlich unglaublich viel Kraft ziehen. Als würde jemand meine Seele und mein Hirn mit warmen, öligen Händen kraulen und massieren.

Die Musik, die ich währenddessen höre, kann ganz klassische Klaviermusik sein. Olafur Arnalds Album „Living Room Songs“ zum Beispiel, trifft mich mit jedem Tastenschlag ganz tief. Aber auch Chilli Gonzales‘ „Solo Piano“ oder auch die etwas langsameren, schwermütigen Stücke von Yann Tiersens Soundtrack zu „Die fabelhafte Welt der Amelie“ passen ganz wunderbar. Aber es gibt auch Künstler aus dem elektronischen Bereich, die mich catchen. Beispielsweise der Soundtrack zu „Arrival“ von Jóhann Jóhannsson, der echt beklemmend ist. Ganz besonders aber die Musik von Simon Stålenhag, und da vor allem das Album „The Electric State“. Aber auch das leicht 80er Chiptune/Synth angehauchte Album „Seelen“ der mexikanischen Künstlerin Doreem macht mich komplett fertig und holt mich immer wieder ab.